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Bild: Renate Niedenthal

Veranstaltungsreihe 150 Jahre St. Johannis-Kapelle: Konzert für Akkordeon und Bratsche

Beschreibung

„Von den Landschaften“

Programm:
Franz Schubert (1797 – 1828) aus „Die schöne Müllerin“ (1821)
- Das Wandern ist des Müllers Lust
- Danksagung an den Bach
- Morgengruß

Wolfgang Rihm (*1952)
„Fetzen“ (2004)

Franz Schubert aus „Die schöne Müllerin“ (1821)
- Ungeduld
- Mein!
- Die liebe Farbe
- Des Baches Wiegenlied

Toshio Hosokawa
„In die Tiefe der Zeit“ (1994)

„Von den Landschaften“
In Schuberts Zyklus aus dem Jahr 1821 „Die schöne Müllerin“ nach Gedichten von Wilhelm Müller entwickelt sich entlang eines Baches eine poetische Liebesgeschichte. Der Bach, das fließende Wasser, zieht den Wanderer in die Welt. Er wird Gefährte zur Zwiesprache und
Spiegel der Stimmungen des Müllergesellen. Nach schwerer Eifersucht findet des Müllergesellen Liebe im Bach sein nasses Grab. Mit einem Spannungsbogen von Naturverbundenheit, Hoffnung, Enttäuschung und Trauer ist der Bach die Verbindung zwischen diesen Wechselbädern der Gefühle.
Die Präsentation einer Auswahl von acht Liedern des Liederzyklus der schönen Müllerin als Transkription für Bratsche und Akkordeon ist ungewöhnlich. Ihre Stärke liegt darin, die Stücke, die als einfaches oder variiertes Strophenlied konzipiert sind, in ihrer musikalischen Wärme und Ausdruckskraft jenseits des gesungenen Wortes, völlig zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Weise schafft die Transkription beider Stimmen die Möglichkeit, dieses Kleinod der Liedkunst auf völlig andere Weise neu zu hören und seine textliche Gestalt neu zu deuten. Durch die völlige Fremdheit des Klanges entsteht eine andere Offenheit dem bereits Bekannten gegenüber.
Eine völlig andere Art der Naturverbundenheit zeigt Toshio Hosokawa in seinem 1994 komponierten Werk „In die Tiefe der Zeit“ für Bratsche und Akkordeon. Der Rhythmus des Werdens und Vergehens in der Natur, das Atmen der Lebewesen oder der Meereswellen sind wichtige klangliche Anknüpfungspunkte in der Musik Hosokawas. Die Landschaft wird in seiner Musik zur Landschaft eines Klanges mit all seinen Schattierungen. Der Komponist verwebt auf einzigartige Weise Musik und Natur, östliche und westliche Philosophie ineinander. In "Die Tiefe der Zeit" symbolisiert das Cello das männliche Prinzip, das Akkordeon das weibliche. Hier wird in einem völlig anderen kulturellen Zusammenhang die Thematik des Zyklus „Die schöne Müllerin“ berührt.
Die Lieder von Schubert werden durch das moderne Werk Toshio Hosokawas in einen neuen ästhetischen Zusammenhang gerückt.
Ein kurzer Aphorismus des großen Schubert Verehrers Wolfgang Rihm, „Fetzen“, rundet die moderne Seite des Programmes ab. Durch den stilistischen Bruch fühlt sich das Publikum in ganz neuer Weise in der über einhundert Jahre alten Musik zu Hause und vollzieht dennoch das Erlebnis des Wanderns durch die (stilistischen) fremden Welten mit.

Event single img Bildquelle: Gerhard Richter

Informationen zu den Ausführenden

Margit Kern - Akkordeon
aufgewachsen in der Nähe von Darmstadt, studierte Akkordeon bei Hugo Noth und bei Matti Rantanen an der Sibelius Akademie in Helsinki. Sie konzertiert mit Solo-Recitals und als Kammermusikerin in vielen europäischen Ländern, reiste in die USA und nach Süd-Korea. Sie spielt als Gast bei der musikFabrik NRW, beim Ensemble Modern, bei l’art pour l’art, oh Ton-Ensemble, Seoul Spring Festival, den Weltmusiktagen in Stuttgart, Musica Viva in München, Perugia Classica Festival, Forum neuer Musik des DLF und vielen anderen. Eine rege Zusammenarbeit verbindet sie mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten, deren Werke sie uraufführt. Zahlreiche Rundfunkporträts verdeutlichen diese Spezialisierung. 2005 veröffentlichte sie ihre erste Solo-CD mit dem Titel „Heart“, 2011 „TWO“ und 2013 folgte
„mirror“.
In mixtura realisiert sie zusammen mit Katharina Bäuml seit 2010 gemeinsame Projekte, in denen sich Komponisten und Sprachen weit auseinander liegender Zeiten begegnen. 2011 erschien die erste CD „Miniatures“ mit eigens für mixtura neu geschriebenen Stücken. „Archipel Machaut“ und „Sibylla“ folgten 2013 und 2014.
Margit Kern lehrt als Honorarprofessorin an der Hochschule für Künste, Bremen, im Fachbereich Musik.

Axel Porath - Bratsche
Der 1972 in Hagen geborene Violaspieler Axel Porath ist festes Ensemblemitglied der musikFabrik. Er studierte Viola in Stuttgart, Frankfurt und Karlsruhe, außerdem Kammermusik beim Melos Quartett. Zudem besuchte Axel Porath Kurse beim Borodin Quartett. Als leidenschaftlicher Kammermusiker konzertierte Axel Porath mit Ensembles wie dem Abegg Trio und dem Odeon Quartett. Neben seiner Arbeit mit der musikFabrik wirkt er als Stimmführer der Heidelberger Symphoniker und spielt regelmäßig im SWR Radiosinfonieorchester Stuttgart und im Stuttgarter Kammerorchester.
Axel Porath war zudem mehrfach als Dozent tätig und erarbeitete Konzerte mit dem LandesJugendEnsemble für Neue Musik Nordrhein-Westfalen. Als Mitglied der musikFabrik und in anderen Formationen ist er an einer Vielzahl von Rundfunk- und CD-Produktionen beteiligt gewesen.

Wann

Eintrittspreis/Kosten

Eintritt frei - um Spenden wird gebeten

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